12.11.2010

Emanzipation 2.0

Schade, die Kategorie Anti-Macho gibts nicht, also dann kommt dieser Beitrag in die Macho-Kiste.

Passend zum Streit zwischen unserer Familienministerin und unserer Bundeschefemanzipatorin ...

(den ich im Übrigen nicht verstehe, weil

a) die eine sagt, die Thesen aus den Siebzigern kann sie einfach so nicht stehen lassen, die andere dazu meint, he - die Thesen sind aus den Siebzigern, da kam hinterher auch noch was! Also sind sie sich doch eigentlich einig, oder?

Und weil

b) so ein Zickenkrieg emanzipierten Frauen, als die ich sie beide schätze, einfach nicht steht!)

... also passend zu diesem Streit ist mir gestern eine lustige Sache passiert.

Mein Einbauschrank im Korridor, vermutlich so alt wie meine Wohnung selbst, hat im wahrsten Sinne des Wortes den Abgang gemacht. Nun könnte ich zwar bewaffnet mit meinen Werkzeugen den Neubau selbst in Angriff nehmen, ich weiss aber, dass das dann zwar alles passt - aber trotzdem wie selbstgeschmiedet aussehen wird. Also vergebe ich den Auftrag lieber an einen Tischler - oder Schreiner, wie man hier sagt. Ein bischen herumtelefoniert, und eine Schreinerei schafft es wohl tatsächlich noch vor Weihnachten, mir wieder zu einem funktionierenden Kleiderschrank zu verhelfen. "Schick ich die Chefe gleich heute noch vorbei! Is' 15:00 Uhr OK?" - Is' OK!

Die Chefe kommt superpünktlich mit einem großen Sprinter auf dem nüchtern und ohne Logo die Aufschrift "A. Decker - Schreiner und Zimmerleute" prangt. Zu meiner Überraschung ist die Chefe eine Chefin - das A. steht für Andrea. Andrea ist etwa 1,70 groß, durchaus kräftig gebaut, hat raspelkurze rote Haare, grüne Augen, ein dickes Pflaster am Zeigefinger der linken Hand, duzt einen sofort und sprüht förmlich vor Energie und Ideen.

Sie misst aus, überlegt, ob man nicht Garderobe, Spiegel und Kleiderschrank in einem kombiniert und so den Schank um etwa 50% vergrößert - "Hey, vor dem Spiegel is' nix, hinter dem Spiegel is' nix, den Platz kannst du nutzen - der Korridor ist breit genug!" - klopft die Wand ab, prüft auf Rechtwinkligkeit und auf eventuell verlegte Kabel und Leitungen und meint dann: "In Multiplex, also so wie es war, mach ich dir das für 'nen knappen Tausender mit dem vorhandenen Spiegel und Garderobe mit Licht - in Mahagoni kommts teurer! Wenn alles raus ist, kannst du den Korridor gleich vorrichten - dann hast du zu Weihnachten einen komplett neuen Empfangssaal..."

Tausend Euro für einen kompletten individuellen Neubau ist mehr als fair, finde ich, also bekommt sie gleich den Auftrag. Zum Abschied reicht sie mir dann noch ihre Visitenkarte: "Andrea Decker - Schreinermeister" steht da.

"Schreinermeister?!" frage ich, "Ohne -in?"

"Eh komm! Da kann ich ja auch gleich drauf drucken 'Sorry, wenn's nicht passt, ich bin eine Frau!'. Ich leiste das gleiche wie ein Mann, also führe ich auch die gleiche Berufsbezeichnung wie ein Mann!". Cool! "Wie kommt man zu so einer Einstellung?" Sie verzieht die Mundwinkel: "Zu viele Tussen, die die ganze Zeit '-in!' schreien, aber nicht mal wissen, an welchem Ende man 'nen Hammer anfäßt! Nee, nich' mit mir - das Know-How zählt, und nicht die Bezeichnung. Wenn ich zwei extra Buchstaben haben will, dann studier ich und mach 'nen Doktor.". Ich schaue auf ihr Pflaster. "Is' beim Kochen passiert - dass kann ich wirklich gar nicht - nicht mal 'ne Zwiebel schneiden!" lacht sie.

Ich mag Frauen, die Machosprüche klopfen - und freu mich jetzt schon auf den Einbau meiner neuen Möbel - sie baut ein und ich sehe zu, dass Mittags was vernünftiges auf dem Tisch steht.

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