15.02.2009
Wo geht die Reise hin?
Ian Christ / 22:05 /
Philosoph / Link / Keine Kommentare / Keine Trackbacks
Nun, dazu müssen wir uns erst einmal unsere Situation genauer ansehen. Zuerst sieht es ja so aus, dass nur eine grössere Anzahl von Eigenheimbesitzern in einem einzigen Land plötzlich ihre Kredite nicht mehr zahlen konnten. Aber dass wegen zugegeben ein paar mehr unbezahlten Eigenheimen gleich die Weltwirtschaft in eine Krise taumelt? Nein, das glaube ich nicht.
Wir leben in einer Marktwirtschaft, das heisst, wir produzieren nach Bedarf. Bzw., wir sollten nach Bedarf produzieren. Leider leider haben das aber ein paar Schlüsselbranchen verpennt und sind davon ausgegangen, dass der Bedarf für ihre Produkte bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung permanent gleich hoch bleibe oder gar noch wachse. Und - das kommt als Fehler nummer zwei hinzu - man ist davon ausgegangen, dass die Voraussetzungen zum Ge- bzw. Verbrauch unverändert bleiben. Kurz: Man hat auf einen statischen Markt gesetzt, den es so gar nicht gibt. Irgendwann hatte sich die Realität dann soweit vom Wunsch- und Plandenken der Produzenten entfernt, dass sie ihre Produkte einfach nicht mehr losbekamen.
Was machen nun aber unsere Regierungen? Sie halten mit ihren "Soforthilfemaßnahmen" den Markt weiter künstlich statisch. Auch hier stecken aber wieder zwei Fehler: Zum einen wird der Umschwung auf dem Markt so nicht verhindert, sondern nur kurzfristig hinausgezögert, um danach die Unternehmen (die sich in ihrer Stillhaltetaktik ja erst einmal bestätigt sehen) danach um so härter zu treffen. Zum anderen wird übersehen, dass all die Steuermilliarden ja nicht aus der Gelddruckmaschine kommen, sondern dass diese dem Staat nur zufließen, wenn die Wirtschaft läuft. Investiere ich nun in Wirtschaftszweige, die nur mit meiner Hilfe überleben können, brechen mir die Einnahmen zur Tilgung meiner Staatsschulden in dem Moment weg, in dem ich meine Förderung einstelle. Ein Teufelskreis!
Was wird also passieren? Nun, Autos, die heute zusätzlich dank Abwrackprämie gekauft werden, werden 2010 nicht mehr gekauft werden. Im Gegenteil, die wirklich alten Mühlen sind weg und 2010 werden so viele gute Gebrauchte unterwegs sein, dass noch weniger Autos verkauft werden als heute ohne Abwrackprämie. Da Pendel schlägt zurück und wird die Autoindustrie noch härter treffen. Umgekehrt fühlt sich die Autoindustrie durch einen kurzeitigen Aufschwung und niedrige Spritpreise ersteinmal bestätigt und wird fleißig weiter auf alte Technologien setzen - auch wenn wir wissen, dass volkswirtschaftlich und global gesehen der Individualverkehr wie auch unsere Rohstoffe-und-Güter-um-die-Welt-Schipperrei wie wir sie kennen, eine gefährliche Sackgasse ist. Dummerweise trifft dieser Efekt nicht nur auf die Auto- (das wäre zwar schwer, aber zu verschmerzen), sondern auf alle Industriezweige zu.
Statt die Wirtschaftskrise aber als (Brems-)Fallschirm zu sehen und uns nach wirklichen Alternativen umzuschauen, sagen unsere Regierungen lieber: Geben wir nochmal richtig Gas, um den Karren wenigstens so richtig an die Wand zu setzen.
Meine Prognose ist daher: 2010 bis 2015 werden wir eine beispiellose Rezension erleben, gegen die unsere derzeitige Situation Kinderkram ist, weil wir unser Probleme von heute mit den Methoden und Technologien von gestern zu lösen versuchen.
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