05.07.2008
Murks des Monats
Ian Christ / 20:00 /
Kunde / Link / Keine Kommentare / Keine Trackbacks
Klingt schwachsinnig? Ist es auch! Trotzdem gibt es Branchen, die genau so beim Verkauf Ihrer Produkte argumentieren.
Irgendwie sollten wir mal das Stromnetz überprüfen lassen. Nach dem ja vor einiger Zeit mein Mac den Abgang gemacht hat (und sich nun mein Linux-Bastelnotebook im Produktiveinsatz bewähren muss) sagte gestern Frau Schleys Desktop plötzlich keinen Ton mehr.
Gut, die Daten liegen auf dem Server, aber die Frau braucht ein Arbeitsgerät - und zwar sofort! Nun hatte der Chef in einer Zeitungsbeilage ein Notebook von Fujitsu-Siemens gesehen, das er sich wohl sehr gut als Desktopersatz im Sekretariat vorstellen konnte: AMD Athlon X2 64 CPU, 4GB RAM, 250GB Festplatte, 17-Zoll Bildschirm, extra Ziffernblock - kurz, eine Maschine, die was her macht und einem die weitere Zuneigung und Mitarbeitertreue der Vorzimmerdame für die nächsten Jahre sicher stellt.
Olaf segnete das Gerät ab und wurde sogleich in die Spur geschickt. Eine Stunde später rief er mich an: "Ian, hast du einen Moment Zeit? Ja? Dann komm mal rüber!". Ich machte mich also auf in sein "Labor".
Olaf: "Hi, setz Dich. 4GB, feine Sache! Welches Betriebssystem von Bill würdest Du da nehmen?"
Ich: "Irgend ein 64bit-Vista. Warum?"
Olaf: "Weist Du, was Fujitsu-Siemens da drauf bügelt? 32bit!"
Ich: "Dann kannst Du aber gut 1GB nicht nutzen."
Olaf: "Genau das habe ich den Jungs von der Hotline auch geschrieben. Weisst Du was die Antworten? Hier, für die Akten...".
Er schob mir ein Blatt Papier rüber und ich las:
" ... vielen Dank für Ihre Anfrage beim technischen Support von Fujitsu Siemens Computer.
Das vorinstallierte 32bit Betriebssystem kann maximal 3 GB verwalten. Nur ein 64bit Betriebssystem kann mehr Speicher verwalten. ... Die meisten Programme auf dem Markt sind für 32bit geschrieben und werden unter 64bit Betriebssystemen nicht funktionieren. ... Ein 32bit Betriebssystem vorzuinstallieren ist vom Händler und vom Kunden gewünscht ... ".
Hm, also auf unseren anderen Kisten läuft MS-Office auch unter 64bit. Und wieso sollte ein Kunde, der ein Notebook mit 4GB kauft dann "wünschen", nur 3GB nutzen zu können?
Olaf hat für sowas einen "Murks des Monats"-Ordner, in den er solche Geschichten abheftet. Und er hat einen Ordner, in dem er die Volumenlizenzen für unseren Verlag verwaltet (lesbar ohne technische Hilfsmittel, so wie es sein soll). Da trägt er den alten Desktop aus und das neue Notebook ein und schon hat es sein 64bit-Vista ganz legal im Bauch und Frau Schley stehen volle 4GB zur Verfügung.
Ein Privatanwender hat in so einem Fall allerdings verloren: Die Fujitsu-Siemens-Jungs stellen sich dumm, Microsoft sagt: "Sorry, OEM-Version, der Support läuft über den Hersteller!" und der Kunde hat entweder 1GB RAM bezahlt, dass er nicht nutzen kann oder aber er muss sich eine zweite 64bit-Vistalizenz kaufen weil die mitgelieferte Software nicht zum Rechner passt - dann hat er ein 32bit-Vista umsonst bezahlt. Das stelle ich mir bei Markenprodukten eigentlich anders vor!
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