10.04.2008
Gefühl?!
Ian Christ / 23:04 /
Philosoph / Link / Keine Kommentare / Keine Trackbacks
Tatsache ist aber wohl das genaue Gegenteil. Wie ich heute so beim Orthopäden warte, der mein Bein kontrollieren soll, da kommen zwei Damen aus dem Fahrstuhl - Marke "AEAG" würde Michael zu den Zweien sagen (alternativ, einfach, aber glücklich). Selbst Gestrickter, das Haar naturgefettet und lächelnd ins Gespräch vertieft. Dabei klingt die Zweite etws gequält, weil sie die Erste im Rollstuhl schiebt. Der Rollstuhl ist keiner aus dem Krankenhaus,dafür kleben zu viele PEACE-, Free-Tibet- und sonstige Aufkleber auf dem Teil. Und es wundert es mich, warum die Gute so kraftvoll schieben muß, obwohl der Boden hier super glatt ist.
Ein jämmerliches Quietschen klärt mich auf, der Rolli hat hinten auf beiden (!) Reifen so gut wie keine Luft mehr. Zum Platten fehlt noch was, so dass ich übersehene Glasscherben auf dem Weg mal ausschliesse, ausserdem ist es doch eher unwahrscheinlich dass man sich gleich zwei Reifen auf einmal zerschiesst.
Als die beiden ran sind, grüssen sie freundlich, ich grüsse zurück und kann mir eine Bemerkung hinsichtlich der impotenten Pneus nicht verkneifen: "Bisschen wenig Luft in den Reifen, was?" Die im Rollstuhl lacht: "Ja, dass hat Maria..." (sie deutet auf ihre Freundin) ".. gestern auch schon gesagt!".
Es ist ein Uhr nachmittags, war doch inzwischen genug Zeit zum Aufpumpen, oder? Wenn ich nen Rolli habe und darauf angewiesen bin, dann hab ich auch ne Luftpumpe bzw. 'ne Stammtankstelle mit Luftsäule, oder? Wieso fehlt solchen Soz*-Leuten immer jegliches Gespür für Technik und deren Bedürfnisse. Der Reifen wird gequält, sie quälen sich...
Abends erzähle ich die Geschichte Michael. Der grunst nur und meint: "Was willst du? Soz* und weiblich, das potenziert sich halt!". Ich sollte mal schauen, ob man das statistisch verifizieren kann.
Nachtrag: Mein Arzt ist ein Jahr jünger als ich und einfühlungstechnisch eine Kanone! Er hat sofort geschnallt, dass ich eher ein "Techniker" bin und legt meine Genesung als Reparaturabeit an, die wir beide im Team zu erledigen haben. Der Patient als gleichberechtigter Partner - coole Sache das! Morgen kommt der Gips runter, damit sich die Muskeln nicht weiter abbauen. Die halten nämlich den Knochen im Gips "wie ein straff um einen Stecken gewickeltes Schnitzel". Sie sollen das aber auch ohne Gips weiter können, und deswegen bekomme ich morgen eine Art Stützrahmen verpasst. Der leitet die Last oberhalb der Bruchstelle nach aussen ab und unterhalb des Knies in den Unterschenkel. Wir haben das Teil "Exoskelett" getauft.
Wichtig sind drei Dinge - sagt der Arzt: a) man muss die Länge genau einstellen, damit weder zu viel Druck auf der noch nicht ganz verheilten Bruchstelle liegt noch die Stelle zu stark entlastet wird (dann könnte das Bein ungünstigsten Falls zu lang werden), b) Man kann und soll das Bein immer wieder anwinkeln - was mit dem Gips nicht ging und dem Kniegelenk nicht so gut tat, und c) ich darf kann und soll jeden Tag mindesten eine Stunde langsam spazieren gehen, damit die Muskulatur merkt, dass sie wieder gebraucht wird.
Ich soll das Bein beim Spazieren bewußt benutzen, obwohl ich auf die Unterarmstützen noch nicht verzichten darf, weil man mit denen immer (noch) dazu geneigt ist, das Bein einfach in die Luft zu halten. Dann gab's es noch 'nen Termin für morgen beim Hausmeister zum Gips abnehmen und einen Anruf beim Sanitätshaus, ob überhaupt so ein Stützapparat vorrätig ist (er ist, und ich soll/darf/kann ihn morgen auf dem Weg in die Klinik abholen) und dann ging es nach Hause - mit der Vorfreude auf die letzte Nacht juckendes Gipsbein.
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