
Ich hatte ja schon vor einiger Zeit geschrieben, dass ich mir neue Lautsprecher bauen wollte. Das hatte ich dann auch getan, doch leider entsprach das Ergebnis rein vom Klang her nicht meinen Erwartungen. Der Bass war irre, den angedachten Subwoofer konnte ich sofort in die letzte Ecke meines Gehirns verbannen, aber Mitten und Höhen hatten ein bisschen was von "zugezogenem Vorhang". Nicht gerade dicker Samt, aber schon eine ordentliche Übergardine.
Ich kontrollierte die Weichen, regelte am Verstärker rum, aber so richtig Raum wollten die Boxen nicht machen. Na ja, vielleicht war ich ja auch nur verwöhnt von dem wirklich sehr luftigen Klang der Needles. Egal, besser als die alten Boxen waren sie alle mal, und so nudelten sie im Rohbaustatus trotzdem jeden Tag ihre vier, fünf Stunden.
Was den Einfluss auf den Klang angeht, so halte ich Bi-Wiring (also getrennte Kabel für hohe und niedrige Frequenzen zwischen Verstärker und Lautsprecher) für Voodoo. Klar, der Widerstand der Kabel ist aufgrund des doppelten Querschnitts etwas geringer - aber ob ich den Signalweg jetzt am Verstärker oder erst hinter dem Anschlussterminal in der Box aufteile, dass hören zumindest meine alten Ohren nicht mehr raus. Dennoch bin ich ein Fan von Bi-Wiring, weil ich so Dank der schaltbaren Lautsprecherausgänge an meiner Anlage den Bass einfach "rausnehmen" kann. Praktisch, wenn man Nachts ein etwas Lala braucht und die Nachbarn nicht stören will. Und deswegen hatte ich auch die neuen Lautsprecher intern schon dahingehend vorbereitet, mit einem Bi-Wiring-Terminal ausgestattet zu werden.
Nachdem der Postboote nun eben jene Terminals etwas zerknörrt hatte, habe ich mir schnell und teuer ein Paar neue, teure und richtig gute in der Stadt besorgt und diese natürlich gleich eingebaut (das ist sch...kalt in der Garage - und soviel Staubsauger hab ich diesmal nicht gebraucht, als dass es hätte warm werden können). Wieder zurück in der Wohnung habe ich die Lautsprecher natürlich gleich ausprobieren müssen. Zu meiner grössten Überraschung klangen sie nun wirklich gut. Dabei hab ich doch nur das Terminal getauscht!
Da ich mich weiter weigere, einen derartigen klanglichen Qualitätssprung lediglich auf das Bi-Wiring zu schieben, hier meine Hypothesenliste:
- ich hab mich einfach an den Klang der Boxen gewöhnt
- die Boxen sind jetzt eingespielt
- ich hatte am alten Terminal eine kalte Lötstelle
- korrodiertes Anschlusskabel, jetzt (frisch abisoliert) ist der Übergangswiderstand niedriger
Egal, jetzt klingt es in etwa so, wie ich es erwartet hatte und so kann ich mir Gedanken machen, wie die Lautsprecher am Ende aussehen sollen. Vielleicht fräse ich aber Chassis und Terminal auch erstmal noch ein. Fräsen mit der Frässchablone hab ich nämlich noch gar nicht probiert.