16.10.2007

Breitbildschirme und Magermodels

Jede Woche presse ich zwei bis drei Mal im Fitnessstudio den letzten Schweisstropfen aus meinem Körper, damit mich meine Frau auch morgen noch attraktiv findet. In besagtem Studio hängen im Bereich Ausdauer (also dort, wo man Laufbänder, Fahrräder, Stepper, Crosstrainer und ähnliches Geschwurbel findet) vier Fernseher an der Decke.

Auf diesen Fernsehern läuf Nachmittags, wenn ich trainiere, immer solch Society-Käse (Popsternchen hat sich Fingernagel abgebrochen und ruft Feuerwehr; Hollywoodstar gibt zu, mit einem Känguru verheiratet zu sein; 87-jähriger Opa gewinnt Besuch in Luxusbordell ...). Ich hab da gar keinen Kopfhörer dabei, sondern schaue mir das ganze als Stummfilm an und denke mir die Dialoge und Texte dazu selber aus. Damit wird das Zeug dann sogar erträglich.

Was mir dabei auffällt ist, dass alle Leute auf diesen vier Fernsehapparaten immer unglaublich gut genährt und rund, ja richtig breit aussehen. Eigentlich logisch - es sind ja Breitbildfernseher. Ist schon blöd, wenn der Fernseher ein 16:9-Bild hat, der Fernsehsender aber 4:3 abstrahlt. Um dann den ganzen Bildschirm zu füllen, hat man dan (technisch) zwei Alternativen: entweder man schneidet oben und unten was vom Bild ab oder aber man zieht es breit. In Anbetracht von Untertitel- und Senderlogoeinblendungen entscheidet an sich für letzteres.
Nun kann man solch einem Gerät ja sagen "He, bei 4:3 bitte nicht breitziehen, sondern links und rechts 'nen schwarzen Balken stehen lassen!". Das macht aber kein Kunde - a) weil er zu blöd und zu faul ist, die Bedienungsanleitung zu lesen und zu lernen, wie er sein Gerät bedient und b) sieht der kunde eh nicht ein, wozu er denn einen Breitbildfernseher gekauft hat, wenn er dann links und rechte ungenutzte schwarze Bereiche auf der Röhre hat.

Nun sind auch Schauspielerinnen und Models Kundinnen, die Fernseher besitzen. Und in Anbetracht ihrer Gagen muss es ab einem gewissen Bekanntheitsgrad natürlich der neueste Fernseher sein, der auf dem Markt zu haben ist, egal ob das Umfeld überhaupt schon reif für diese Technologie ist (und damit meine ich sowohl das technische als auch das menschliche Umfeld). Folge: ein Model sieht sich und seine Kolleginnen in eine 4:3-Sendung breitgezerrt auf 16:9. Klar das die Gute ausrastet, mit dem Ruf "Mein Gott bin ich Fett!" ihren Trainer und ihren Ernährungsberater feuert und sich fortan von einem Apfel pro Tag ernährt. Schauspieler haben da etwas mehr Glück, da zumindest Kinofilme eigentlich im schon Breitbildformat vorliegen. Aber wehe, man spielt in einer Fernsehproduktion mit, oder der Kinofilm wurde gar für das Fernsehen überarbeitet - schon hat man wieder verloren.
Supermagermodels und manche Popsängerin-Fussballergattin sehen jedoch auf den Breitbildfernsehern plötzlich wieder richtig gut aus. Und es hat natürlich auch Vorteile für die Prominenten - sie werden in der Öffentlichkeit nicht mehr so schnell erkannt: "Wos Erwin, des soll die [Name der Schauspielerin] aus [Name der Serie] sei?! Niemols! Ich gugg des jeden Taach, und ich soge dir, so derre is die nich! Die hat e bissel mehr for de Männer zu bieten!".

Das der Fitnessclubbesitzer die Fernseher nicht auf "Normalbild" umstellt ist natürlich auch klar. Gerade zur Klatschmagazinzeit tummeln sich doch die etwas Beleibteren auf den Konditionsgeräten. Und wenn die sehen, dass die Stars und Sternchen teilweise schon gewaltig was auf den Hüften haben, dann fühlen die sich auch ohne Training schon gleich viel besser. Dass daran nur die Fernsehtechnik schuld ist, ist dann egal. - Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. (Mt. 5.3)

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