15.10.2007
Vorgeschichte
Ian Christ / 20:55 /
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Vor gut drei Wochen nämlich rief unser Chef die Messemannschaft zu sich, um einzuteilen, wer auf der Messe wann was macht. Dabei geht er nach einer besonderen Methode vor, die ihm angeblich (so erzählt er es jedenfalls) eine Stewardess beigebracht hat: Vor einem Flug trifft sich nämlich die Cabincrew, um abzusprechen, wer was auf dem Flug macht und welche Besonderheiten es gibt (Kleinkinder, Diabetiker etc.). Dabei darf die älteste Stewardess als erste wählen, was sie machen möchte (vermutlich wird sie sich für die First-Class entscheiden), dann kommt die zweitälteste an die Reihe usw. usf. Das erklärt auch, warum man in der First- und Business-Class doch eher von älteren Semestern betreut wird, man in der Economy-Class aber wenn schon keinen Platz, dann aber zumindest was für's Auge geboten bekommt.
Gut, unser Chef machte es genauso, vom Repräsentieren am Stand bis hin zum "Wer holt das Wasser für die Kaffeemaschine?" hatte er einen genauen alphabetischen Plan gemacht, den er an die Wand geheftet hatte. Als vierter war ich an der Reihe, und ich entschied mich für VIP-Service (also die Zuführung, Betreuung und Entsorgung unserer Gäste) sowie Logistisches (ja, ich hatte dafür zu sorgen, dass immer genug stilles Wasser für die Kaffeemaschine bereitstand und die Kekse nicht ausgingen).
"Prima!" sagte ich, "Dann kann ich das alles gleich mit meinem Bus machen!". "Wenn du mir ein Teil an deiner Mühle zeigst, das das Attribut VIP verdient, dann gerne!" krnurrte mein Chef grinsend zurück. Argumente wie Klapptisch, frischer Kaffee und Kühlschrank im Auto lies er aber nicht gelten. "Frau Schley," fragte er unsere Sekretärin, "sie kennen doch die Chefin von dieser Autovermietung... Rufen sie da mal an, wir brauchen was Schwarzes, gerne technisch-sportlich, das muss kein Protzgedöns sein...". Keine zehn Minuten später wusste ich, dass ich als Messefahrzeug einen A3 Sportback haben würde. Volltreffer. "Allerdings ohne Navi!" gab Frau Schley mit schrägem Blick in meine Richtung zu bedenken. He, was sollte das heißen?! Ich bin noch immer angegommen, früher oder später.
Aber auch dafür hatte mein Chef eine Lösung: Im Supermarkt gab es gerade ein Navi im Angebot, und das stellte er mir am nächsten Tag auf den Tisch. "Hier, damit Du ankommst, bevor die Messe vorbei ist!"
Und so kam es, dass ich die ganze Zeit vom kleinen Navi bestens gelotst und von einer TMC-Antenne, die ständig von der Scheibe ploppte, tierisch genervt zwischen Messe, Supermarkt, Bahnhof, Hotel, Flughafen und wieder Messe pendelte. Nach einem Tag kannte ich alle Strecken auswendig, und Staus in der Stadt sagt das TMC eh nicht an, so konnte ich später auf die Antenne verzichten. Alle Gäste waren pünktlich, Wasser und sonstige Getränke in ausreichender Menge vorhanden und auch an Keksen war unser Angebot besser als bei den Nachbarn (Abzüge in der B-Note, wegen Wasserkästen im Kofferraum musste ab und zu die Tasche eines Gastes auf den Rücksitz). Und der Kaffee von Frau Schley war auch auf der Messe unschlagbar. Unweigerlich hatten wir uns freiwillig in unseren Geschlechterrollen wiedergefunden, Mann jagt draussen, Frau steht am Herd - bzw. an der Kaffeemaschine.
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