06.09.2007

Verboten!

Heute sass ich mal wieder einige Stunden in der Eisenbahn, und da kammen mir aus gegebenem Anlass folgende Gedanken:

Es lässt sich sehr viel über eine Gesellschaft erkennen, wenn man ihren Umgang mit Verboten betrachtet. Die einen verbieten erst einmal gar nix, alles ist erlaubt, so lange es nicht einzelne Mitglieder der Gesellschaft gefährdet, einschränkt, behindert etc. Ist das der Fall, muss sich der Gefährdete, Eingeschränkte, Behinderte etc. beschweren - bestenfalls vor Gericht. Dieses fällt dann ein Urteil, entweder zu gunsten des Klägers oder zu Gunsten des Beklagten, weil dieser ja durch das Urteil ja auch wieder gefährdet, eingeschränkt, behindert etc. sein könnte. Später können sich dann andere Gefährdete, Eingeschränkte, Behinderte auf dieses Urteil berufen. Kurz: Diese Gesellschaften haben sich für ein unübersichtliches Kuddelmuddel aus Einzelentscheidungen entschieden.

Andere Gesellschaften entscheiden sich für feste Regeln, die für alle gelten, egal, ob überhaupt einer eingeschränkt, behindert, gefährdet etc. wird. Im Gegenteil, oft ist es sogar so, dass durch die Regel an sich Einschränkungen, Behinderungen, Gefährdungen etc. entstehen. Das kümmert aber keinen, weil die Mitglieder dieser Gesellschaft Regeln über deren Sinngehalt stellen.
In vielen Geselschaften ist es aber auch so, dass sich - da sowohl Einzelentscheidungen als auch Regeln bzw. deren Einhaltung gar nicht kontrolliert oder gar durchgesetzt werden können - die Mitglieder der Gesellschaft nicht um die bestehenden Regeln scheren und man so wieder am Ausgangspunkt aller Probleme ist: Trotz Entscheidungen und Regeln werden manche Mitglieder der Gesellschaft von anderen eingeschränkt, behindert, gefährdet bis sie sich beschweren.

Ein Beispiel: Seit einigen Tagen gilt in Deutschland ein absolutes Rauchverbot in der Eisenbahn - dh. sowohl in den Zügen wie auch auf den Bahnhöfen. Einzige Ausnahme: kleine Raucherinseln auf den Bahnsteigen.
Und wie sieht es in der Realität aus? Zum einen zeigen die Eisenbahnangestellten selber, was sie von den Vorgaben ihrer Dienstherren halten - nämlich nix. Sie laufen, die brennende Fluppe zwischen den Fingern oder den Lippen überall im Bahnhof herum. Klar, dass die Fahrgäste, die das sehen, sich natürlich auch gleich eine anstecken. Die Pressemeldung, dass die Bevölkerung das Rauchverbot annehme und akzeptiere, kann ich nach meinen heutigen Beobachtungen nur unter Propaganda abheften. Annehemen und ignorieren, so wird ein Schuh draus.
Aber auch im Zug gibt es Probleme. Mangels Raucherabteil ziehen sich die Raucher (auch die Schaffnerin, ich hab sie gesehen!) auf's Klo zurück, um da schnell eine durchzuziehen. Da aber wie üblich in den Regionalexpressen (Bahnerjargon: Konkursbeschleuniger - hab ich auch heute gelernt!) die Klimaanlage eine Meise hatte, wurden die Fahrgäste im gesamten Zug nicht nur mit den Düften der Toiletten verwöhnt, sondern auch mit dem kalten Qualm unserer tabaksüchtigen Mitbürger.

Fazit: Verbote nutzen nur was, wenn man auch fähig ist, diese durchzudrücken. Andernfalls sind sie nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt stehen. Die klassische Lösung mit dem abgeschlossenen Raucherabteil ist dann besser (gleiches gilt im übrigen auch für Kneipen - wieso Rauchen verbieten, ein Raucherzimmer reicht, als Bedienung kann man ja dort auch eine Raucherin einsetzen).

Und für das Zugklo hätte ich auch noch eine bzw. zwei Lösungen anzubieten: a) Rauchmelder mit Sprenkleranlage - wer dort qualmt, wird eingeweicht. b) Klimaanlagen öfters checken.

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