26.08.2007
Ingenieurstechnisches Angeln
Ian Christ / 22:30 /
Familienmensch / Link / Keine Kommentare / Keine Trackbacks
Hannah hatte einen Kaffeetisch gedeckt und fragte unvermittelt in die Runde, ob wir "rein technisch" fänden, dass ihr Busen hänge, zumindest auf einer Seite. Während sich Christian an seinem Kaffee verschluckte, beeilte ich mich ehemann-pflichtgemäß zu versichern, dass mir keine Situation bekannt sei, in der ihre perfekt geformten Brüste auch nur den Hauch einer Tendenz zum Hängen zeigen würden. Ich bekam dafür einen "Quatschkopf" an den selben geworfen. Hannah erklärte, dass sie einen der Metallbügel in ihrem BH vemisse. "Mach den anderen doch auch raus!" riet Christian. Das löste jedoch das Problem nicht, wo der andere Bügel abgeblieben war. Waschkorb, Wäscheschrank - alles Fehlanzeige. Nach reiflicher Überlegung kamen wir zu dem Schluß, dass er in der Waschmaschine sein müsse - vermutlich in den Schlitz zwischen Trommel und Gehäuse gerutscht, so dass eine latente Verstopfungsgefahr bestehe. Und die Trommel lässt sich nicht so einfach herausnehmen.
Also leuchteten wir mit einer kleinen Taschenlampe zwischen den Löchern der Trommel hindurch, stocherten ein wenig mit einem Holzschaschlikspiess herum - und wurden fündig. Der Bügel liess sich sogar bis nach vorne an den Schlitz zwischen Trommel und Gehäuse manövrieren. Aber wie das Teil nun herausbekommen? Keine Pinzette, keine Zange war lang und schmal genug.
Christian machte sich einen Iced-Coffee und setzte sich eine viertel Stunde auf die Terasse. "Visualisierungsmodus" kicherte Hannah und deutete auf den in Medidation versunkenen, nur ab und zu am Kaffee nippenden Freund. Plötzlich trank er das gnze Glas auf einmal aus und sagte: "Bin gleich wieder da!" und verschwand um die Ecke. Wir hörten ein Trabi-Kofferraum-Klappen, und dann stand er mit einer Heissklebepistole vor uns (ich glaub manchmal, Christian hat mehr Werkzeug in seiner Pappe als ich in meiner Werkstatt). Christian schnappte sich wieder den Holzspiess und verschwand im Bad - wir hinterher. Er verzierte das Ende des Hölzchens mit einem fetten Tropfen Leim und versenkte diesen vorsichtig und zielgenau dort in dem Spalt, wo wir den BH-Bügel hinbugsiert hatten. Dann zählte er bis zwanzig (damit der Leim hart wurde), erklärte "Was ich nicht festhalten kann, muss sich selber festhalten!" und zog den Spiess samt angeklebtem Bügel heraus. "Hat was von Buddelschiff bauen, nur irgendwie umgekehrt..." meinte er.
Hannah war total angetan von der Idee mit dem Klebstoff und ich weiss nun: Der Ingenieur im Haus erspart den Waschmaschinenmonteur! Hannah entfernte auch den zweiten Bügel aus dem BH und die Welt war wieder so, wie sie sein sollte - in Ordnung.
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