04.08.2007
Ohren frei!
Ian Christ / 22:59 /
Techniker / Link / Keine Kommentare / Keine Trackbacks
Zurück kam er mit zwei selbst gebauten Lautsprecherboxen, rohe Platte, sah fast ein bißchen aus wie Pappe, lang und dünn, nur ein winziger Chassi (etwa 8cm schätzte ich) pro Box. Hannah und ich sahen uns zweifend an. Christian sprang herum wie ein kleines Kind zu Weihnachten: "Sagt nix! ... Hört euch das erst mal an! ... Ich trink erst mal was!". Es brauchte etwas Druck, ihn dazu zu bringen, uns das Abendessen beenden zu lassen und auch selbst etwas mitzuessen. Schliesslich liess er sich jedoch zwei dick belegte Käse-Schinken-Brote mit Gurke schmecken, die er mit einem grossen Glas Apfelschorle hinunterspülte. Hannah nickte zufrieden, zwinkerte mir zu und sagte: "So, jetzt dürft ihr spielen!".
Christian suchte de beste Position für die beiden Kartons. "Was ist den das überhaupt für eine Pappe?" fragte ich, und klopfte vorsichtig gegen einen der Lautsprecher. "Pappe!?" rief Christian verächtlich, "Das Zeug heisst MDF und ist ziemlich geil, wenn man auf die Schnelle eine Lautsprecherbox zusammenkleben will! Hör mal ..." sagte er und klopfte kräftig gegen die zweite Box, "kein Klang, ganz dumpf. So soll es sein. Bi-Wireing?" fragte er und zeigte auf meine kleine Panasonic-Anlage mit meinen vor Jahren selbst aus Möbelplatten zum Regal passend zusammengeschraubten Boxen. "Jepp!" bestätigte ich. "Dann klemm deine Speaker mal auf A und die beiden hier auf B! Damit du einen Vergleich hast!" - er drückte mir die Kabel seiner Boxen in die Hand. "Und nicht verpolen!" schob er nach. "Is' ja nich so schwer," grummelte ich "Rot is' Schwarz und Plus ist Minus!". Hannah räumte das Geschirr in die Spülmaschine und amüsierte sich.
Christian stand vor meinen CDs und zog eine Katie Melua heraus. "So kennst du die CD." sagte er, vergewisserte sich noch mal, das nur das Lautsprecherpaar A aktiv war und startete die CD. Klang wie immer. "Und nun ...", Christian schaltete auf Paar B.
Mir blieb vor Staunen der Mund offen stehen. Diese winzigen dünnen Teile fabrizierten einen Klang, das mir die Spucke wegblieb. Transparent, klar, punktgenau. Um den Unterschied zu demonstrieren, schaltete er noch ein paar Mal von B nach A und wieder zurück. "Das ist ja, als ob jemand den Vorhang aufzieht!" meinte Hannah. Auch ihr war anzusehen, dass sie die dünnen Lautsprecher plötzlich ernst nahm.
Christian war in die Küche gegangen und mixte sich eine neue Apfelschorle. "Wieso höre ich eigentlich meine Musik mit solchen Sumpfbechern?!" fragte ich. "Tja, wie sagst du immer? Die Leidensfähigkeit der Menschen ist unglaublich!" antwortete er. "Aber ich hab's auch nicht glauben wollen, das sowas mit so einem kleinen Chassis geht. Deswegen hab ich die Teile mal gebaut. Was meinst du, was die kosten?" fragte er und deutete auf die Chassis. "25,- Euronen das Stück?" riet ich. "Keine Zehn Euro! Wenn du nur ein Paar bestellst, bekommst Du überall Huddelei mit dem Mindesbestellwert. Na ja, kommen ja noch Dämmwatte und zwei Terminals dazu.". Christian nippte sichtlich zufrieden an seiner Schorle. "Und das Holz?" fragte ich. "Auch etwa 10 Euro pro Box - und da war ich schon in einem teuren Baumarkt.". "Die Dinger sind billiger als die da?!" rief ich, auf die neuen Rearboxen deutend, die ich von Christian praktisch als Entschädigung für das zerstörerische Werk seiner Tochter zum Geburtstag bekommen hatte (da lag der Rohpreis bei 20,-Euro, das Weichentuning nochmal 22,-Euro). "Gleiche Preisklasse etwa, aber es kommt natürlich noch die Arbeitszeit dazu. Deswegen bin ich auch hier. Du hast doch 'ne Oberfräse...". Ich nickte. "Kannst du mir die Boxen mit 45° anfasen?". Klar kann ich das. Nur fehlt mir dazu noch der entsprechende Fräser.
Also hat Christian die Boxen bei mir gelassen, quasi zum Einspielen. Jazz macht Spass, "Frau mit Gitarre" auch. Bei Elektronik sind die Bässe ein bisschen mau (kann man ja nachregeln) und Metallica wird nicht wirklich böse (Hanah meint, das sei dann wohl der "Traum aller Schwiegermütter"-Remix). Die Lautsprecher sind eben wirkliche Feinzeichner, will man es etwas "männlicher" sollte sich da aber mittels eines kleinen Subwoofers einiges machen lassen. Eins ist mir jetzt schon klar - solche Lautsprecher will ich auch haben!
Und welche Lautsprecher hat Christian nun gebaut? Die Teile nennen sich Cyburgs-Needle - hier gibt's den Bauplan dazu.
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