14.06.2007

Eingestaubt ...

... steht meine Notebookerrungenschaft in der Ecke. Warum? Nun, zu viel Arbeit und zu schönes Wetter, um sich am Abend dann auch noch vor die Kiste zu hocken und mit Linux zu experimentieren.

Zumal mir neulich auch noch unser "technischer Hausverwalter" über den Weg lief, der über irgendwelche Kanäle gehört hatte, dass ich meinen Rechner eben mit Linux, genauer mit Kubuntu befeuere. Er hatte sich nämlich vor einiger Zeit einen Handyvertrag ans Knie ... äh, zugelegt, bei dem neben zwei Handys auch ein Notebook dabei war. Und das lief, weil eine Windows-Lizenz wohl das Budget des Handyproviders gesprengt hätte, unter - sie ahnen es schon - Linux. Kubuntu Linux in der Version 6.04.
Das Notebook lief nicht so wie es sollte, und so schnippelte der Hausmeister also erstmal ein bisschen an der Hecke rum, um dann schnurstraks zu mir auf die Terasse zu kommen und mir sein Schnäppchen (das er beim Heckeschneiden inklusive Zubehör bei sich trug) vorzuführen. Beim Einstecken der mitgelieferten Webcam passierte nichts, und auch WLAN-mässig wurde weder sein noch irgendein anderes WLAN erkannt - obwohl wir hier im Haus gleich zwei grosszügige Mitbewohner haben, die ihr LAN mit allen teilen. Wir betrieben also mittels Netzkabel und seinem Notebook im Internet Nachforschungen und wurden schnell fündig:
Dummer Weise hatte Provider dem tollen All-In-One-Sorglospaket nur eine Windowstreiber-CD sowie eine Webkam beigelegt, deren Chip explizit nicht von Linux (von gar keiner Distribution) unterstützt wurde - was von meinem Hausmeister sofort mit dem Satz: "Also muss ich Windows machen!" kommentiert wurde. Ich meinte, statt eine Windowslizenz zu kaufen (und für Vista war das Noteböökelchen mit seinem 1,4 GHz Celeron M und 512MB RAM eh zu schwach), könne man ja auch eine andere, linuxtaugliche Webcam installieren.
"Und dann muss ich kein Windows machen?".
"Kommt drauf an, was man mit der Kamera machen will..." sagte ich ihm. Wir stöpselten also eine alte Logitech Quickcam aus meiner Krabbelkiste an, und die funktionierte sofort. Welch Glück, als er sich in Kopete in der Videoeinrichtung selbst sah.
"Jetzt kann ich mit meinem Enkel per Internet sprechen!".
"Dazu brauchen wir aber noch ein Programm!" sagte ich vorsichtig.
"Was für ein Programm?" fragte er.
"Was für ein Programm nutzt denn ihr Enkel?" fragte ich zurück.
Er lachte: "Gar keins, der ist ja noch ein Baby!".
"Und wem gehört der Computer?" fragte ich weiter.
"Meinem Sohn - aber der ist Computerprofi! Der macht Windows!" erzählte er stolz.
Das war immerhin eine Information, wir suchten also im Internet nach einer Video-Telefoniesoftware, die sowohl unter Linux als auch unter Windows lief. Es gibt da wohl nur eine Namens WengoPhone. Skype bot wider Erwarten keine Videofunktion unter Linux. Also installierten wir WengoPhone - und riefen den Sohn an, damit der sich auch WengoPhone installiere. Was folgte, war eine ziemliche Odyssee:
a) Wieso WengoPhone?! Wir sollten doch bitte den MSN-Messenger nutzen! Geht nicht, wir haben hier kein Windows, und die Messenger unter Linux, die MSN verstehen, können ausser WengoPhone alle keine Videotelefonie. Und auch mit WengoPhone kann man out of the box zwar mit MSN-Teilnehmern chatten, aber nur mit WengoPhone-Teilnehmern videofonieren.
b) Nachdem auf der anderen Seite mit viel Mühen WengoPhone installiert war ("Soll ich jetzt auf 'Next' klicken?") scheiterte der Sohn daran, die Software auf Deutsch umzustellen: "In WengoPhone auf Tools, Configuration, Language, dort kann man die Sprache umstellen.". Er beteuerte, kein Tools zu haben, und es sei alles auf Englisch oder sowas. Nach etwa eine halben Stunde erkannte ich, dass er noch den Browser offen hatte, und verzweifelt versuchte, die Homepage von Wengophone auf Deutsch umzustellen. (Das wäre mit einem Klick auf die Deutsch Flagge aber auch möglich gewesen) Wengophone lief schon auf Deutsch.
c) Einen WengoPhone Kontakt einzurichten nahm ich ihm ab, aber in die Bestätigungsmail zu finden und den Aktivierungslink zu klicken - ein Drama, welches von den Zwischenrufen meines Hausmeisters "Ich muß doch Windows machen!" in einzelne Akte eingeteilt wurde.
d) Zu guter Letzt konnte uns der Sohn sehen, wir konnten ihn hören. Ein WengoPhone Testanruf zeigte uns, dass unsere Kamera und unser Microfon funktionierten. Der Bitte, sein WengoPhone auch mal passend einzurichten (Videokamera aktivieren, Micro- und Lautsprecherlautstärke einzustellen, konnte der Sohn aber nicht nachkommen - weil er den Knopf Audio_Videoeinstellungen (unten Links) nicht fand (vermutlich war er schon wieder im Browser unterwegs) und meinte Testanrufen würde er ja gerade mit uns, und man würde ja sehen, oder besser nicht sehen, dass es nicht geht.
"Na dann mach ich eben Windows!" resümierte der Hausmeister, und wir schauten noch bei eBay, was denn so eine WindowsXP-Lizenz kostete. Ca. 80 Euro, aber das war dem Hausmeister zu viel. Ob ich nicht ein Windows hätte? Ob nicht eins bei meinem Rechner dabei gewesen wäre, das er nutzen könnte? (Interessant - so gut wie keine Ahnung vom PC, aber eine unglaubliche Energie, was das illegale Beschaffen einer Softwarelizenz angeht.)
Da auch der WLAN-Chip (ein Realtek 8781 wars glaube ich, intern via USB angebunden!) wie gesagt auch nicht sauber erkannt wurde, riet ich ihm auch zu Windows, nicht ohne ihn zu ermahnen, sich unbedingt ein Vollversion zu kaufen und sich nicht eine Recovery-CD aufschwatzen zu lassen. Und er solle regelmässig, am besten täglich seinen Virenscanner aktualisieren und auch das Windows selbst aktuell halten. Sein Blick war - ich gebe es zu - etwas verständnislos.
Ich hatte danach von Computerversuchen erst mal die Nase voll und widmete mich an den Abenden darauf meiner Frau, meiner Katze und meiner Tageszeitung. Gestern traf ich meinen Hausmeister wieder: "Ich mach jetzt Windows!" erklärte er mir. "Und das läuft auch!". Stolz zeigte er mir eine selbst gebrannte CD. "Nur 40 Euro, mit Installation!". Ich tippe mal auf Raubkopie ohne gültigen Lizenzkey, alles einfach auf Laufwerk C: geschaufelt, keine Firewall, keine Antivierensoftware, surft mit IE, Mailt mit Outlook-Express und hält Sicherheitsupdates für Safer Sex
Na ja, mir solls recht sein - ich hab ein weiteres WLAN zur Auswahl, und ich vermute, es wird nicht lange dauern, bis sich der Hausmeister (ohne es zu wissen) einem Botnetz anschliesst und dann Spam und nackte Damen in expliziten Posen verteilt. Falls Hannah also mal nicht da ist...

Nachtrag: Bei dieser Geschichte kommt mir eine alter Witz in den Sinn, den mein Onkel bei jeder, aber wirklich bei jeder Familienfestivität zum Besten gibt:

Ein Kunde kommt in den Baumarkt und verlangt nach einer Motorsäge, da er ein paar alte Obstbäume in seinem Garten fällen wolle. Der Verkäufer rät ihm zu einem kleinen Modell: Damit schaffen sie 10 Bäume in der Stunde, Fällen und Kleinschneiden. Der Kunde ist zufrieden, zahlt und geht.
Am Nachmittag steht der Kunde deutlich erschöpft wieder im Laden: Die Säge ist zu schwach, nicht einen Baum haber er gefällt, geschweige denn zerlegt. Der Verkäufer ist verwundert, gibt dem Kunden dann aber ein stärkeres Modell mit: 15 Bäume die Stunde. Der Kunde zieht von dannen.
Am nächste Morgen ist der Kunde wieder da, schweißgebadet und ziemlich sauer. Auch diese Säge tauge überhaupt nichts, der erste Baum stehe noch immer, obwohl er die Nacht durchgearbeitet habe. Dem Verkäufer ist das völlig unverständlich, und so gibt er dem Kunden die stärkste Säge mit, die er im Geschäft hat: 25 Bäume die Stunde.
Abends, kurz vor Geschäftsschluss, ist der Kunde wieder da. Blutige Schwielen zieren seine Hände, er kann sich kaum auf den Beinen halten. Scheiß Werkzeug, schimpft er, gerade mal einen Baum habe er gefällt. Da niemand mehr im Laden ist, geht der Verkäufer mit dem Kunden auf den Hof, um sich selbst ein Bild davon zu machen, warum die Säge nicht funktioniert. Der Verkäufer packt einen ordentlichen Stamm auf den Sägebock und lässt die Säge an: Wrrrrooooaaaarrrmmm! Der Kunde guckt verdutzt: Was ist denn das für ein Geräusch?!

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