31.05.2007
Frisch rasiert
Ian Christ / 20:25 /
Kunde / Link / Keine Kommentare / Keine Trackbacks
Gut sechs Wochen später, in denen mich meine Frau erst mit dem Namen Kaktus, dann - mit fortschreitender Bartlänge - mit Rübezahl und schließlich mit Barbarossa bedachte, schaffte ich es nun gestern, besagten Rasierer in den gut sortierten Fachhandel nebst angeschlossener Fachwerkstatt zu bringen.
Der Meister dort winkte jedoch sofort ab: "Ne, des wirt nischt meer! Da krieg ich keine Elektronik meer für!" Gut, das Markengerät nenne ich seit 1992, also ganze 15 Jahre, mein Eigen, und ich hab bis heute gerade mal den Akku tauschen müssen. Irgendwie wurmte es mich schon, dass der Fachmann sich das Teil nicht mal anschauen wollte. Also fragte ich ihn nach Alternativen. Die gleiche Marke bekomme ich heute mit "gleichem" Leistungsumfang für fast siebzig Euro. Früher konnte ich ein normales Netzkabel anschließen, heute brauche ich ein extra Netzteil. Früher bekam ich eine solide Tasche dazu, heute bekomme ich ein PVC-Beutelchen, in dem das Netzteil keinen Platz findet. In seiner Zweifarbigkeit letztendlich macht das Markengerät den selben Eindruck wie der Neun-Euro-Rasierer aus dem Supermarkt-Sonderangebot nebenan, nur das der wieder mit normalem Stromkabel und ordentlicher Box geliefert wird. Der ist aber auch Made in China wird jetzt jeder sagen. Nur: der Markenrasierer ist das auch. Den wollte ich also nicht.
Ein weiteres Modell, Made in Germany, war nur 10 Euro teurer, kam mit Köfferchen, Öl, Bürste und Normalkabel und machte einen sehr massiven Eindruck. Und in meiner Bartnot kaufte ich das dann auch.
Zu Hause tat ich dann 3 Dinge: Erstens befreite ich mich von meiner alternativen Wolle, nicht ohne mich vorher in der Bedienungsanleitung vergewissert zu haben, dass man den neuen Rasierer auch am Netz betreiben darf.
Zweitens hing ich den neuen Rasierer zum Laden an die Steckdose, ist der Akku voll, geht das Lämpchen aus - so steht es sinngemäß in der Bedienungsanleitung, die übrigends - wie um das Made in Germany nochmals zu unterstreichen - in der Befehlsform abgefasst ist. (Den Rasierer niemals über dem gefüllten Waschbecken betreiben! Akku umweltgerecht entsorgen! - Fehlt nur noch ein Zack-zack!)
Drittens öffnete ich meinen alten Rasierer, um festzustellen, dass sich direkt hinter der Netzkabelbuchse genau ein Widerstand verabschiedet hatte. Und das so gründlich, dass man nicht mal mehr erkennt, wie stark er war. Für jemanden, der die Teile kennt, eine Lötarbeit von max. 10 Minuten.
Fazit: Auch wenn ich jetzt für knapp 80 Euro frisch rasiert bin und ich die einheimische Wirtschaft unterstützt habe, fühle ich mich doch etwas abgezockt.
PS.: Nach gut 24 Stunden brennt das Ladelämpchen noch immer - ist das OK?! Ich hatte eigentlich vor, mich ab sofort wieder täglich zu rasieren.
Trackbacks
Bitte nutze die URL http://www.ianchrist.de/XE3system/tb.php?id=33 falls Du einen Trackback zu diesem Eintrag senden willst.

