06.04.2007
Bin ich fortschrittlich?
Ian Christ / 18:04 /
Philosoph / Link / Keine Kommentare / Keine Trackbacks
Zum anderen gibt es dann noch die Abteilung der "Das haben wir immer schon so gemacht!"-Sager, denen jede neue Idee und Weiterentwicklung erst einmal suspekt ist. Oder sie lehnen sie aus Prinzip ab.
Jeder Fortschritt, den wir erleben, ist das Resultat eines Kampfes zwischen diesen Parteien - und somit immer ein Kompromiss.
Ich weiss nicht recht, zu welcher Seite ich mich zaehlen soll. Einerseits betrachte ich Autos schon fast als archaisches Fortbewegungsmittel, da sie seit ihrer Erfindung vor gut 150 Jahren ohne eine wirkliche Aenderung ihres verbrennungsmechanischen Antriebsprinzips von uns genutzt werden. Die Manger und Techniker der Automobilindustrie scheinen eher der "Nix aendern!"-Gruppe anzugehoeren. Das ist aber auch verstaendlich, denn es sind alles Maschinenbauer. Wuerde man das Prinzip des Autos bei einem renomierten Autohersteller ploetzlich auf elektrische Antriebe umstellen (dass das machbar ist, zeigen Modelle wie der Tesla Roadster oder der Mini QED), dann muesste man einen Grossteil der Entwicklungsingenieure fuer Getriebe und Bremsen feuern und statt derer Leistungselektroniker einsetzen, die der Arbeitsmarkt gar nicht in ausreichender Menge hat. Und so hat man eben auch fuer die naechsten 10 Jahre die ueblichen Spritschlucker in der Pipeline und entwickelt fuer die schon mal ein Siebenganggetriebe. Ist ja schoen, dass das geht, aber mein 20 Jahre alter Bulli schafft mit 4 Gaengen auch 115km/h - und das mit 7 bis 8 Litern Diesel auf 100km. Und da sitz ich nicht alleine drin! Kurz - im KfZ-Bereich wuerde ich mir wirklich mehr Innovationen wuenschen.
Bei den Informatikern und Computerentwicklern hingegen scheinen die Fetischisten des Fortschritts ihre Heimat gefunden zu haben. Kaum hat man sich einen PC gekauft (das eben geerbte Notebook ist gerade mal drei Jahre alt) schon ist das Teil so veraltet, dass man kaum noch Ersatzteile bekommt. Stellen sie sich das mal bei einem Auto vor - und ein Auspufftopf fuer meinen Bus kostet in etwa das selbe wie die Scharniere fuer das Laptop, ist aber im Gegensatz dazu in jeder freien Werkstatt zu bekommen. Wozu auch reparieren? Das WLAN ist eh zu langsam, DVD brennt er auch nur die Minus-Rohlinge, und die 512MB RAM reichen nie und nimmer fuer Windows-(Astala-)Vista. Hallo?! Ich habe gar kein WLAN, sichere meine Daten auf eine externe Festplatte und will auf dem Teil Linux nutzen (OpenSuSE oder Kubuntu, das weiss ich noch nicht so genau). Und mein Arbeitsrechner ist gar ein iMac der ersten Generation! Hier gehoere definitiv zu den "Langsamtretern".
Obwohl... Ich schreibe diesen Eintrag auf einem Zaurus SL-C3100 und beame ihn via Bluetooth und Handy (Sony-Ericsson T610) in das Blog. Das ist zwar ohne Zweifel technophil, aber auch diese beiden Geraete sind schon laengst nicht mehr auf dem Markt.
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